Tschernobyl - Eine Chronik des Versagens Drucken

25.04.1986 23:50 Uhr

Ein Experiment wird gestartet

  Mitarbeiter des Lenin-Kraftwerks in Tschernobyl starten ein Experiment. Es soll ermittelt werden, wie lange die Turbine mit der Restwärme eines abgeschalteten Reaktors weiterläuft. Für die Durchführung des Versuches müssen nahezu alle Sicherheitssysteme außer Funktion gesetzt und der Reaktor auf Höchstleistung gefahren werden.
tschernobyl

26.04.1986 01:40 Uhr

Das Kühlwassersystem bricht zusammen

Die Turbine steht. Da das Kühlwassersystem zusammenbricht, kommt es sehr schnell zu einem Hitzestau. Der Reaktor gerät außer Kontrolle. Die Alarmsirene ertönt...
Der 31-jährige Betonarbeiter Wladimir Staratowoitow aus Pripjat, 18 Kilometer nordwestlich von Tschernobyl: “Plötzlich war da ein lautes Krachen, ein heller blauer Blitz taucht über dem Kraftwerksgelände auf. Dann eine gewaltige Detonation! Es war, als wäre ein Krieg ausgebrochen.”
Eine gewaltige Explosion hat das Dach des Atommeilers aufgerissen, in dessen Inneren sich 180.000 Tonnen hochradioaktives Material befinden. Das entspricht einer Menge von 1.000 Hiroshima-Bomben. Mindestens 200 verschiedene radioaktive Substanzen werden wie Lavafontänen in die Luft geschleudert - für das menschliche Auge unsichtbar.

27.04.1986 15:00 Uhr

Gerüchte kursieren

In Pripjat kursieren Gerüchte. Die Straßen werden mit einer schaumigen Flüssigkeit gewaschen. Die Kinder spielen auf den Straßen und man kauft im Freien Eis, Obst und Gemüse.

27.04.1986 18:00 Uhr

Pripjat wird abgeriegelt.

Telefonleitungen werden gekappt. Von Hubschraubern werden Sand, Lehm und Blei in den brennenden Reaktor geworfen, allerdings ohne Erfolg.

28.04.1986 16:00Uhr

Schweden mißt erhöhte Radioaktivität

Nachrichtenagenturen melden, dass in der Umgebung des südschwedischen Atomkraftwerkes Barsebäck erhöhte Radioaktivität vorliegt.

28.04.1986 19:00 Uhr

Erhöhte Radioaktivität auch in Norwegen, Schweden und Finnland

Nachrichtenagenturen melden, dass in Norwegen, Schweden und Finnland enorm hohe Radioaktivität in der Luft gemessen wurde. Man vermute einen Unfall in einem sowjetischen Atomkraftwerk. Dies wird von der sowjetischen Regierung vehement zurückgewiesen.

29.04.1986 09:00 Uhr

Nachrichtenagentur TASS berichtet von einem Unfall

Die staatliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS gibt einen Bericht heraus, wonach es im Kraftwerk Tschernobyl einen Unfall mit Personenschaden gegeben habe. Die Aufräumarbeiten seien in vollem Gange. Dänisches Forscher vermuten dagegen einen GAU (=größter anzunehmender Unfall), mit Zerstörung eines ganzen Reaktorblocks. Radioaktivität sei in erheblichem Umfang Außenwelt abgegeben worden.

30.04.1986 10:00 Uhr

Die Sowjetunion gibt einen Bericht ab

  Die Regierung der Sowjetunion teilt mit, das Feuer im Reaktor sei gelöscht.

03.05.1986 12:00 Uhr

Friedrich Zimmermann berichtet

Der damalige Deutsche Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann gibt bekannt, dass der GAU in Tschernobyl in Deutschland ohne Folgen bleiben werde, denn "eine Gefährdung bestehe nur im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern." Tatsächlich? © WDR

05.1986

Deutschland sperrt Spielplätze und Freibäder

Im Landkreis Gießen werden Spielplätze wegen des verseuchten Sandes gesperrt. Das hessische Sozialministerium empfiehlt, Kinder nicht mehr auf Wiesen, in Sandkästen und in stehenden Gewässern spielen zu lassen. Auch in München werden Freibäder geschlossen. Bauern in verschiedenen Bundesländern werden aufgefordert, kein Gemüse mehr zu ernten. Frische Milch wird nicht mehr getrunken. Die Öffentlichkeit ist empört über die inkompetenten Informationen deutscher Behörden.

25.000 Tote, 400.000 Vertriebene