Gedenkgottesdienst 25. Jahrestag Drucken
Gedenkgottesdienst am 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl am 26.04.2011

25 Jahre nach Tschernobyl = 47 Tage nach Fukushima = AUSSTEIGEN FÜR IMMER !

Es ist in unseren Gedenkgottesdiensten am Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 schon immer gesagt und beschrieben worden – nun ist deutlicher denn je: 25 Jahre nach Tschernobyl und 47 Tage nach Fukushima: Die Atomenergie ist im letzten nicht beherrschbar. Die ihr innewohnende zerstörerische Kraft übersteigt die Fähigkeit des Menschen zur Verantwortungsübernahme. Wir werden auf die Frage zurückgeworfen, was unser menschliches Maß ist. Menschen sind Geschöpfe, die zu großartigen Leistungen fähig sind, dabei aber immer auch Fehler machen können. Niemand ist perfekt. Die Technologien, die wir benutzen, können daher auch nicht perfekt sein. Deshalb müssen sie fehlerfreundlich ausgelegt werden. Mögliche Störfälle dürfen bei keiner Technologie der Welt zu unabsehbaren Katastrophen führen, wie das bei der Atomkraft der Fall ist.

Kirchensynode für Atomausstieg
Die uns als Christinnen und Christen von Gott aufgetragene Verantwortung für die Menschen und die gesamte Natur erfordert einen sorgsamen Umgang mit der uns anvertrauten Schöpfung. Schon 1986 sprach sich die Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für einen Verzicht auf Atomenergie aus. Das gilt auch noch heute. Wir brauchen einen schnellen und konsequenten Ausstieg aus der Kernenergie. Ein Ende der Atomkraft hat für Hessen als deutlichste Konsequenz, dass die beiden Atomreaktoren Biblis A und Biblis B dauerhaft abgeschaltet bleiben müssen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Reaktoren beschäftigt sind, müssen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden. Ein zukunftsfähiger Umgang mit Energie ist nicht nur eine politische und technische Herausforderung. Sie ist auch eine Anfrage an unsere energiehungrige Weise des Wirtschaftens und des Lebens. Gefordert ist ein ökonomischer, sozialer und kultureller Wandel. Es wäre wünschenswert, diesen Wandel nicht nur als Zwang, sondern auch als große Chance für ein gerechteres Miteinander von Mensch und Umwelt auf der gesamten Erde zu begreifen.

Dank des Kirchenpräsidenten
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hat in dieser Hinsicht bereits eine einmalige europaweite Solidaritätsbewegung hervorgebracht. So unterstützt auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau Projekte in Weißrussland, die die Spätfolgen von Tschernobyl zu lindern versuchen. Zahlreiche Kinder müssen dort ständig in radioaktiv belasteten Gebieten leben. Viele von ihnen haben gesundheitliche Probleme durch die dauerhafte Strahlenbelastung. Jährlich kommen rund 350 Kinder in das Gebiet unserer Landeskirche, um sich zu erholen. „Allen, die sich engagieren, danke ich sehr“, so schreibt Kirchenpräsident Dr. Volker Jung zum heutigen  Gedenktag - “ Sie leisten wertvolle Hilfe und zeigen zugleich, wie wichtig es ist, über die eigenen Grenzen hinweg Verantwortung in Europa und in dieser Welt wahrzunehmen.“
Und wir sagen in diesem Gottesdienst heute: WIEDER – nach 1986 in Tschernobyl , und nun in Japan – WIEDER schmelzen Brennelemente, wieder sind Lebensgrundlagen verseucht und werden lange – viele, viele Generationen verseucht bleiben, WIEDER fliehen hunderttausende Menschen und WIEDER sollen wir glauben, dass so etwas in Deutschland nicht passieren kann? ES REICHT! Wir fordern die Stilllegung aller Atomanlagen in Deutschland: Machen  wir es allen anderen auf der Welt als Vorreiter vor und läuten das Ende des Atomzeitalters ein! Amen.

Pfarrer Eberhard Klein