20 Jahre Arbeitskreis Drucken
20 Jahre Arbeitskreis „Leben nach Tschernobyl“

Jubiläumsgottesdienst am 17.Oktober 2010 in der Evangelischen Jakobuskirche

Während des Gottesdienstes zum 20-jährigen Bestehen des Arbeitskreises „Leben nach Tschernobyl – an dem auch Gäste aus Borispol teilnahmen - hat Pfarrer Eberhard Klein in der Langgönser Jakobuskirche die Atomkraft mit dem Bau des Turms von Babel verglichen. Dieser sei für die Menschen vor 3000 Jahren ebenso nicht beherrschbar gewesen wie heute die Atomkraft. Klein betonte, dass alles menschliche Handeln umkehrbar sein müsse, dies aber bei der Nutzung der Atomkraft nicht möglich sei. Damit stelle sich der Mensch über die Schöpfung. Zudem gebe es über die Atomkraft viel zu viele Babel allein in Deutschland: Für viele Menschen in Stuttgart sei »Stuttgart 21« ihr Babelturm, für die Menschen in Gorleben sei das dort geplante atomare Endlager ein Babel und für die Südhessen das Atomkraftwerk Biblis, sogar amtlich bestätigt. Für Klein selbst und auch für die Mitglieder des Arbeitskreises sei ihr Babelturm der Reaktor in Tschernobyl: „Ruinenhaft und zugleich strahlend tödlich!“ Die Botschaft ist: Wenn der Mensch so sein will wie Gott, hat er die Grenze bereits überschritten und ist auf dem besten Weg, sich überflüssig zu machen, sich selbst zu evakuieren.

Christliches Glaubensbekenntnis steht auf dem Spiel
Mit der Atomkatastrophe 1986 ist mehr zerbrochen als nur ein Atomreaktor, es steht weit mehr auf dem Spiel, nämlich auch das christliche Glaubensbekenntnis. Wenn Menschen die Machbarkeit aller Dinge für möglich halten, dann kommt die Schöpfung und die Mitwelt und der Mensch unter die Räder kommen. Dann verlieren Menschen ihre Heimat, werden zerstreut in alle Welt, wie es nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl geschehen ist. Dann müssen Menschen Haus und Hof verlassen und verlieren den Boden unter ihren Füßen. Deutlich wird: Der Mensch als Geschöpf bleibt immer begrenzt. Wir sind ermahnt, Grenzen des machbaren anzuerkennen und diese Grenzen in den Vordergrund der Überlegungen zu stellen. Angesichts der Fehlbarkeit des Menschen muss alles einen fehlerfreundlichen Charakter haben. Fehlerfolgen müssen prinzipiell begrenzbar sein, die Folgen der Nutzung der Atomenergie dagegen sind unumkehrbar. Diese Technik erweitert menschliches Handeln ins schier Unermessliche. Eine Umkehr hier nicht möglich, alleine schon wenn man an jene die Vorstellungskraft übersteigende Halbwertzeit atomarer Reststoffe denkt, die über zahlreiche Generationen hinweg sicher verwahrt werden müssen. Deshalb kann die Atomkraft zu keiner Zeit eine Brücke in ein Zeitalter der erneuerbaren Energien sein, sondern bestätigt allein die Macht der herrschenden Atomliga.

Pfarrer Eberhard Klein