Super-Gau Tschernobyl Drucken
25 Jahre nach Tschernobyl

Nach dem Super-Gau von Tschernobyl 1986 schickte die Sowjetunion Hunderttausende sogenannte Liquidatoren an den verstrahlten Unglückort: Feuerwehrleute, Soldaten, Bauarbeiter und Fachleute. Von den Helden der ersten Stunden sind viele gestorben. Eine deutsche Reporterin hat vier überlebende Liquidatoren interviewt. Die Berichte von diesen vier Männern machen heute noch tief betroffen, fassungslos und traurig. Igor Pysmenskyi ist einer von diesen vier Männern und berichtet folgendes: Er war 1986 24 Jahre alt, verheiratet und Vater eines kleinen Kindes. Als Offizier der Sowjetarmee, kam er gerade aus dem Afghanistankrieg zurück und wurde am Morgen des 26. April 1986 telefonisch aufgefordert, sich zum Sammelplatz in Kiew zu begeben. Busse brachten ihn und andere Hubschrauberpiloten nach Nordosten. Soldaten und Reservisten, eilig herbeigekarrt, füllten Säcke mit Sand, Dolomit und Blei. Diese Mischung sollten die Hubschrauberpiloten über dem strahlenden Reaktor abwerfen. Wir stiegen auf, blieben 200 m über dem Reaktor in der Luft stehen und warfen die Säcke ab. Welche Gefahr mit unserer Mission verbunden war, erfuhren wir nicht. Die Hubschrauber waren nicht einmal mit einem zusätzlichen Boden zum Schutz vor Strahlen ausgerüstet. Nach drei Tagen bekam ich den Befehl, das Gelände zu verlassen. Jetzt sei meine Strahlendosis zu hoch. Ich wurde durch diesen Einsatz krank und dadurch mit 36 Jahren aus der Armee entlassen. Das schmerzt mich immer noch. Ich war froh, dass ich damals schon ein Kind hatte. Meine Kameraden hatten viele Probleme oder konnten gar keine gesunden Kinder bekommen.

Wenig Unterstützung für Liquidatoren

Ich habe dann eine kleine Organisation für all diejenigen gegründet, die damals dabei waren. Denn wir die Liquidatoren werden kaum vom Staat unterstützt. Zuschläge auf  Renten, die uns eigentlich zustehen, müssen wir vor Gericht einklagen. Die meisten von uns haben weder Energie noch Geld dafür. Trotz der Spätfolgen bin ich froh dabei gewesen zu sein. Wir haben Menschenleben gerettet. Man kann sogar sagen „Wir retteten die Menschheit“. Dass ich heute noch lebe, darauf gibt es für mich keine Antwort – ich hatte eben Glück. Ich bin froh, dass ich über die Tschernobyl-Katastrophe erzählen konnte, denn in der Ukraine interessiert sich niemand für uns. Für die da oben wäre es billiger, wir wären tot. Anzumerken ist noch, dass in den Jahren nach der Katastrophe 650 000 Menschen an den Aufräumarbeiten beteiligt waren. Allein 90 000 bauten den Sarkophag um  den zerstörten vierten Reaktorblock.
Christel Dern