"Rein statistisch ..." Drucken
"Rein statistisch", hat einmal ein prominenter Befürworter der Atomenergie, der auch als ausgewiesener Experte in diesen Fragen gilt, gesagt, "rein statistisch passiert etwa alle 250 000 Jahre ein Super-GAU. Wir können also ganz beruhigt sein."
Nun ist die Statistik eine Sache, die Realität sieht aber leider ganz anders aus, denn wir müssen feststellen, dass sich die Katastrophen von Tscheljabinsk, Harrisburg, Three Miles Island, Tschernobyl, jetzt Fukushima, in einem Zeitraum von nicht einmal fünfzig Jahren abgespielt haben. Eigenartig ist auch, dass von den ersten drei Ereignissen kaum noch jemand spricht und Tschernobyl wohl nur deshalb noch im Gedächtnis der Menschheit ist, weil einige wenige nicht müde werden, immer wieder daran zu erinnern, denn "das Gedächtnis der Menschen für erfahrene Leiden ist erstaunlich kurz", hat der Dichter Bertolt Brecht gesagt ... und er hat sicher recht!
Aber auch Tschernobyl wäre wohl selbst in der Erinnerung nicht mehr oder kaum noch präsent, hätte nicht die Katastrophe von Fukushima exakt 25 Jahre nach Tschernobyl die tödliche Gefahr beim Umgang mit dem atomaren Feuer aller Welt vor Augen geführt.

Ausrede: Tschernobyl - ein Schrottreaktor

Damals, in Tschernobyl, ja, da konnte man sich noch herausreden, das waren "die Russen", und die, das wußte alle Welt, gingen nun mal schlampig zu Werke, das war allgemein bekannt. Wenn denen ein Schrottreaktor um die Ohren flog, dann war das in erster Linie ein Ergebnis einer völlig verfehlten Plan- und Verwaltungswirtschaft. Und das Schlimme war: Die ganze - oder doch zumindest die halbe - Welt hatte darunter zu leiden. Wie anders war (und ist!) das doch bei uns. Unsere Reaktoren sind sicher, das weiß jeder, da kann gar nichts passieren. Und in Japan erst! Die arbeiten Tag und Nacht, um ihr Land nach vorn zu bringen, ein Land, das ohnehin in Sachen Hightech nicht zu überbieten ist! Ja, und dann kam, nach Meinung des eingangs erwähnten Experten, 250 000 Jahre nach Tschernobyl, der Tsunami nach Japan und zerstörte im Handumdrehen und ohne sich um die Statistiken zu kümmern, das Atomkraftwerk in Fukushima. Blankes Entsetzen allerorten.
Das konnte einfach nicht sein, weil es nicht sein durfte! Oder?

Atomausstieg in Deutschland (?!)

Nun: Die Folgen - in Deutschland - sind bekannt. Der Ausstieg aus der Atomenergie ist beschlossene Sache. Wie ernst das gemeint ist, was mit den Folgelasten (Atommüll) geschieht - offene Fragen, die aber in naher Zukunft beantwortet werden müssen. Und auch die nach der Zukunft unserer Wirtschaft, wenn hier, weil der Atomstrom fehlt, die Lichter ausgehen. Nur nebenbei: Ich kenne Leute, die haben vorsichtshalber bereits überall in der Wohnung Kerzen an strategisch wichtigen Punkten stehen.

Reinhard Knauf