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Atomsausstieg beschlossen |
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Atomausstieg beschlossen - alles prima?
Nachdem der Bundestag am 30.6. 2011 den sogenannten Atomausstieg beschlossen hatte, haben wir in der nächsten Arbeitskreis-Sitzung erst einmal innegehalten und gemeinsam ein Gläschen Sekt getrunken. Und auch wenn wir uns im Arbeitskreis seit unserer Gründung parteipolitisch neutral verhalten haben, möchte ich doch den Beginn der Rede von Renate Künast zitieren, die sie an diesem Tag im deutschen Bundestag gehalten hat: "Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Dies ist der Zeitpunkt, an dem man Dank aussprechen muss Dank an all die vielen Menschen, die weit über 30 Jahre in diesem Land den Mut hatten, zu kämpfen, die sich weit über 30 Jahre in diesem Land eingemischt und friedlich demonstriert haben und auch nicht aufgehört haben, zu kämpfen, als einige von ihnen kriminalisiert wurden, als Wasserwerfer selbst an kältesten Tagen Wasser auf sie spritzten, als richtig Druck im Dorf und in der Stadt war. Das will ich hier ausdrücken. Herzlichen Dank an all diese; denn sie haben sich um die Zukunft Deutschlands verdient gemacht." Was Frau Künast gesagt hat, stimmt absolut. Wir in Deutschland können deswegen aus der Atomenergie aussteigen, weil es diese Anti-AKW-Bewegung gegeben hat und gibt. Und wir im Arbeitskreis sind schon auch ein wenig stolz darauf, Teil dieser Bewegung zu sein. Denn ohne uns Atomkraftgegner hätten wir eine Situation wie vielleicht in Frankreich: eine unverantwortliche hohe Abhängigkeit vom Atomstrom. Und dann: einfach nur hoffen, dass ein Gau nicht so schnell in unserem Land geschehen wird?
Wenn die Bilder von Fukushima verblassen …
Bei näherer Betrachtung wurden wir allerdings sehr nachdenklich, immerhin laufen 9 von 17 Atomkraftwerken weiter, zum Teil noch 11 Jahre lang. Abgeschaltet wurden die unsichersten AKW - die anderen Reaktoren stellen aber ebenfalls ein hohes Risiko dar. Die Gefahr eines Super-GAU rechnen Versicherungen ganz rational durch; sie wägen Wahrscheinlichkeit gegen Folgen ab und kommen zu dem Schluss, dass entsprechende Versicherungsprämien so hoch wären, dass Atomstrom ökonomisch völlig unsinnig ist. Deshalb ist kein AKW-Betreiber gegen die Folgen eines Super-GAU versichert. Und erst in den 15 Monaten nach der Bundestagswahl 2021 sollen sechs Reaktoren stillgelegt werden. Dann ist also mit der nächsten heftigen Laufzeitverlängerungsdebatte zu rechnen. Die Stromkonzerne werden alles versuchen, um noch mehr Geld aus ihren laufenden Anlagen zu holen. FDP und CDU haben nur sehr unwillig dem Atomausstieg zugestimmt. Was passiert, wenn die Bilder aus Fukushima verblassen? Hinzu kommt: Die Atommüll-Entsorgung bleibt weiter ungelöst. Trotz eklatanter Mängel des Salzstocks wird in Gorleben weiter gebaut. Die Bundesrepublik bürgt für Exporte von Atomtechnologie ins Ausland. Die von Schwarz-Gelb reduzierten Sicherheitsanforderungen an AKW werden trotz der Erfahrungen von Fukushima nicht verschärft. Die Atomfabriken in Gronau und Lingen beliefern weiter den Weltmarkt. Atomtransporte rollen kreuz und quer durch die Republik. Und es gibt immer noch keine Pflicht, die Reaktoren adäquat zu versichern. Wir hoffen, dass niemand den Fehler vieler Atomkraftgegner von 2001 (rot-grüner Ausstiegsbeschluss)wiederholt, die damals dachten, jetzt sei der Ausstieg ja da und weiteres Engagement nicht mehr nötig. Die nächste Bundestagswahl brachte andere Mehrheiten und dann den Beschluss, die AKW-Laufzeiten zu verlängern. Und so schlimm es auch ist: Ohne Fukushima hätten wir immer noch gegen die Verlängerung der AKW-Laufzeiten zu kämpfen. Deshalb: Wir müssen dran bleiben und da sein, wenn es darauf ankommt. Und dabei bauen wir auf die Unterstützung der Atomkraftgegner auch hier in Langgöns und Mittelhessen!
Gerhard Keller |
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"Rein statistisch ..." |
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"Rein statistisch", hat einmal ein prominenter Befürworter der Atomenergie, der auch als ausgewiesener Experte in diesen Fragen gilt, gesagt, "rein statistisch passiert etwa alle 250 000 Jahre ein Super-GAU. Wir können also ganz beruhigt sein." Nun ist die Statistik eine Sache, die Realität sieht aber leider ganz anders aus, denn wir müssen feststellen, dass sich die Katastrophen von Tscheljabinsk, Harrisburg, Three Miles Island, Tschernobyl, jetzt Fukushima, in einem Zeitraum von nicht einmal fünfzig Jahren abgespielt haben. Eigenartig ist auch, dass von den ersten drei Ereignissen kaum noch jemand spricht und Tschernobyl wohl nur deshalb noch im Gedächtnis der Menschheit ist, weil einige wenige nicht müde werden, immer wieder daran zu erinnern, denn "das Gedächtnis der Menschen für erfahrene Leiden ist erstaunlich kurz", hat der Dichter Bertolt Brecht gesagt ... und er hat sicher recht! Aber auch Tschernobyl wäre wohl selbst in der Erinnerung nicht mehr oder kaum noch präsent, hätte nicht die Katastrophe von Fukushima exakt 25 Jahre nach Tschernobyl die tödliche Gefahr beim Umgang mit dem atomaren Feuer aller Welt vor Augen geführt.
Ausrede: Tschernobyl - ein Schrottreaktor
Damals, in Tschernobyl, ja, da konnte man sich noch herausreden, das waren "die Russen", und die, das wußte alle Welt, gingen nun mal schlampig zu Werke, das war allgemein bekannt. Wenn denen ein Schrottreaktor um die Ohren flog, dann war das in erster Linie ein Ergebnis einer völlig verfehlten Plan- und Verwaltungswirtschaft. Und das Schlimme war: Die ganze - oder doch zumindest die halbe - Welt hatte darunter zu leiden. Wie anders war (und ist!) das doch bei uns. Unsere Reaktoren sind sicher, das weiß jeder, da kann gar nichts passieren. Und in Japan erst! Die arbeiten Tag und Nacht, um ihr Land nach vorn zu bringen, ein Land, das ohnehin in Sachen Hightech nicht zu überbieten ist! Ja, und dann kam, nach Meinung des eingangs erwähnten Experten, 250 000 Jahre nach Tschernobyl, der Tsunami nach Japan und zerstörte im Handumdrehen und ohne sich um die Statistiken zu kümmern, das Atomkraftwerk in Fukushima. Blankes Entsetzen allerorten. Das konnte einfach nicht sein, weil es nicht sein durfte! Oder?
Atomausstieg in Deutschland (?!)
Nun: Die Folgen - in Deutschland - sind bekannt. Der Ausstieg aus der Atomenergie ist beschlossene Sache. Wie ernst das gemeint ist, was mit den Folgelasten (Atommüll) geschieht - offene Fragen, die aber in naher Zukunft beantwortet werden müssen. Und auch die nach der Zukunft unserer Wirtschaft, wenn hier, weil der Atomstrom fehlt, die Lichter ausgehen. Nur nebenbei: Ich kenne Leute, die haben vorsichtshalber bereits überall in der Wohnung Kerzen an strategisch wichtigen Punkten stehen.
Reinhard Knauf |
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Super-Gau Tschernobyl |
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25 Jahre nach Tschernobyl
Nach dem Super-Gau von Tschernobyl 1986 schickte die Sowjetunion Hunderttausende sogenannte Liquidatoren an den verstrahlten Unglückort: Feuerwehrleute, Soldaten, Bauarbeiter und Fachleute. Von den Helden der ersten Stunden sind viele gestorben. Eine deutsche Reporterin hat vier überlebende Liquidatoren interviewt. Die Berichte von diesen vier Männern machen heute noch tief betroffen, fassungslos und traurig. Igor Pysmenskyi ist einer von diesen vier Männern und berichtet folgendes: Er war 1986 24 Jahre alt, verheiratet und Vater eines kleinen Kindes. Als Offizier der Sowjetarmee, kam er gerade aus dem Afghanistankrieg zurück und wurde am Morgen des 26. April 1986 telefonisch aufgefordert, sich zum Sammelplatz in Kiew zu begeben. Busse brachten ihn und andere Hubschrauberpiloten nach Nordosten. Soldaten und Reservisten, eilig herbeigekarrt, füllten Säcke mit Sand, Dolomit und Blei. Diese Mischung sollten die Hubschrauberpiloten über dem strahlenden Reaktor abwerfen. Wir stiegen auf, blieben 200 m über dem Reaktor in der Luft stehen und warfen die Säcke ab. Welche Gefahr mit unserer Mission verbunden war, erfuhren wir nicht. Die Hubschrauber waren nicht einmal mit einem zusätzlichen Boden zum Schutz vor Strahlen ausgerüstet. Nach drei Tagen bekam ich den Befehl, das Gelände zu verlassen. Jetzt sei meine Strahlendosis zu hoch. Ich wurde durch diesen Einsatz krank und dadurch mit 36 Jahren aus der Armee entlassen. Das schmerzt mich immer noch. Ich war froh, dass ich damals schon ein Kind hatte. Meine Kameraden hatten viele Probleme oder konnten gar keine gesunden Kinder bekommen.
Wenig Unterstützung für Liquidatoren
Ich habe dann eine kleine Organisation für all diejenigen gegründet, die damals dabei waren. Denn wir die Liquidatoren werden kaum vom Staat unterstützt. Zuschläge auf Renten, die uns eigentlich zustehen, müssen wir vor Gericht einklagen. Die meisten von uns haben weder Energie noch Geld dafür. Trotz der Spätfolgen bin ich froh dabei gewesen zu sein. Wir haben Menschenleben gerettet. Man kann sogar sagen „Wir retteten die Menschheit“. Dass ich heute noch lebe, darauf gibt es für mich keine Antwort – ich hatte eben Glück. Ich bin froh, dass ich über die Tschernobyl-Katastrophe erzählen konnte, denn in der Ukraine interessiert sich niemand für uns. Für die da oben wäre es billiger, wir wären tot. Anzumerken ist noch, dass in den Jahren nach der Katastrophe 650 000 Menschen an den Aufräumarbeiten beteiligt waren. Allein 90 000 bauten den Sarkophag um den zerstörten vierten Reaktorblock. Christel Dern |
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